Wirklich zählen die Zertifikate, die Ihr Abnehmer verlangt und die für genau den Standort und die Produkte des Betriebs gültig sind. BRCGS, FSSC 22000 und IFS Food gehören zu den international anerkannten Standards, doch keiner sagt etwas über die Qualität Ihrer konkreten Partie aus.
Für deutsche Einkäufer ist die Wahl des Standards selten reine Geschmackssache. Handel und Industrie schreiben oft bestimmte Standards vor. Eine Lieferantenbewertung sollte deshalb bei Ihrem Kunden beginnen und erst dann beim Zertifikat im Prospekt des Anbieters enden.
Die drei Standards im Vergleich
Alle drei werden im Zusammenhang mit der Global Food Safety Initiative (GFSI) als anerkannte Programme geführt. Prüfen Sie den aktuellen Stand der Anerkennung und die gültige Version direkt beim Standardgeber, weil sich beides ändert. Andere Zertifikate wie HACCP-Bescheinigungen, ISO 22000 allein oder FSSAI-Lizenzen haben ihren Platz, ersetzen diese Standards aber nicht automatisch, wenn Ihr Kunde sie ausdrücklich fordert.
- BRCGS Food Safety: stammt aus dem britischen Handel, stark bei Produktsicherheit, Betriebsstandards und Prozesskontrolle
- FSSC 22000: baut auf ISO 22000 und branchenspezifischen Präventivprogrammen auf und ist oft dort anzutreffen, wo ein Managementsystem-Ansatz erwünscht ist
- IFS Food: entwickelt von deutschen, französischen und italienischen Handelsverbänden, im europäischen Lebensmitteleinzelhandel verbreitet
So prüfen Sie ein Zertifikat
Besonders wichtig ist der Geltungsbereich. Das Zertifikat kann echt sein und trotzdem für ein anderes Produkt oder nur für die Verpackung gelten. Ein Händler, der ein Zertifikat seines Lieferanten vorlegt, belegt damit auch nicht, dass Ihre Ware aus diesem Betrieb kommt. Wie Sie das unterscheiden, zeigt Gewürzlieferanten in Indien.
- Standort: Passt die Adresse auf dem Zertifikat zum tatsächlich produzierenden Betrieb?
- Geltungsbereich: Sind Ihr Produkt und alle Schritte erfasst, etwa Trocknung, Vermahlung und Verpackung?
- Ausgeschlossene Bereiche: Wird ein Teil des Betriebs oder Prozesses ausgenommen?
- Gültigkeit: Ablaufdatum und Audit-Datum
- Note und Bericht: Bewertungsstufe und, soweit freigegeben, der Auditbericht mit den Abweichungen
- Zertifizierungsstelle: Ist sie zugelassen und akkreditiert?
- Echtheit: Abgleich im offiziellen Verzeichnis des Standards
Angekündigte und unangekündigte Audits
Die Standards haben ihre Regeln zu unangekündigten Audits verschärft. Berichten von Zertifizierern zufolge ist bei IFS Food jedes dritte Audit unangekündigt, bei BRCGS mindestens eines innerhalb von drei Jahren, bei FSSC 22000 mindestens eines je Zertifizierungszyklus. Prüfen Sie die aktuellen Vorgaben im jeweiligen Standard. Für Sie ist die Frage nützlich: Wann war das letzte unangekündigte Audit, und was kam dabei heraus?
Was ein Zertifikat nicht leistet
Ein Zertifikat ist eine Momentaufnahme eines Systems. Es sagt nichts darüber aus, ob gerade Ihre Partie frei von Ethylenoxid oder Salmonellen ist und ob Rohware zugekauft wurde. Für deutsche Einkäufer gilt außerdem: Der Importeur bleibt für die Sicherheit der Ware verantwortlich, unabhängig davon, welches Zertifikat der Hersteller vorlegt.
- Partienachweis: bleibt Sache des Prüfzeugnisses
- Betriebsrealität: Ein eigener Eindruck beim Lieferantenaudit bleibt sinnvoll
- Rohwarenkontrolle: Fragen Sie nach Feldern, Sammlern und Eingangsprüfungen
- Verladung: Das Zertifikat deckt nicht ab, wie Ihr Container beladen wird
Wenn der Betrieb keines der großen Zertifikate hat
Viele gute kleinere Verarbeiter arbeiten noch ohne diese Standards. Das muss kein Ausschlussgrund sein, wenn Ihr Kunde es nicht zwingend verlangt und Sie anderweitig Sicherheit schaffen. Mögliche Bausteine sind ein Audit nach Ihrem eigenen Fragenkatalog, ein HACCP-Plan, eine Partieprüfung und eine verabredete Roadmap für die Zertifizierung.
Ein Bio-Zertifikat steht auf einem anderen Blatt. Es sagt etwas über Anbau und Kontrolle nach den Bio-Regeln aus, nicht über die allgemeine Lebensmittelsicherheit des Betriebs. Dazu mehr unter Bio-Gewürze aus Indien.
Praktische Reihenfolge für den Einkauf
- Fragen Sie Ihren Abnehmer, welcher Standard und welche Stufe verlangt wird.
- Fordern Sie Zertifikat und Auditbericht an und gleichen Sie beide im offiziellen Verzeichnis ab.
- Prüfen Sie Standort und Geltungsbereich gegen Ihren Warenfluss.
- Besuchen oder auditieren Sie den Betrieb, wenn die Partiegröße das rechtfertigt.
- Knüpfen Sie die Freigabe jeder Lieferung an den Prüfbericht.
Creston prüft Zertifikate und Geltungsbereiche im Betrieb, auditiert den Standort, lässt jede Partie in einem NABL-akkreditierten Labor testen und überwacht die Verladung, für ein schriftlich vereinbartes Honorar. Sie kaufen direkt beim Betrieb. Um Ihre Anforderungen abzugleichen, können Sie ein kostenloses Sourcing-Gespräch vereinbaren.
